Katholische Pfarrgemeinde St. Anna
in Sankt Augustin Hangelar

Geschichte
Die kirchliche Geschichte unserer Gemeinde beginnt erst mit dem Bau der ersten Kapelle im Jahre 1743. Am 24. Juli dieses Jahres gab der Kölner Generalvikar und Weihbischof Franz Caspar von Francken-Sierstorff dem Vilicher Pfarrer Conrad Broichhausen den Auftrag, die Kapelle von Hangelar einzusegnen und den Gottesdienst an Werktagen zu erlauben; die Sonn- und Feiertage waren noch ausgenommen. Diese Erlaubnis zur Feier der heiligen Messe wurde zunächst auf drei Jahre erteilt und anschließend wiederholt, 1752 auf weitere fünf Jahre. Bereits am 10. Dezember 1753 wurde die Erlaubnis dahin erweitert, daß auch an Sonn- und Festtagen vom 1. Oktober bis zum 31. März die heilige Messe gefeiert werden durfte, jedoch so früh, daß die Einwohner zeitig zum Hochamt und zur Predigt in der Kirche der Mutterpfarre Vilich erscheinen konnten, die eine Stunde Fußweg entfernt war. Godfried Kaiser ist der erste Kirchenrendant, den wir aus der Chronik kennen.

Die kleine Kapelle wurde 1791 abgebrochen. Der Abbruch erfolgte aus dem frommen Sinn der Einwohner, die ein größeres und schöneres Gotteshaus wünschten. Die neue Kapelle entstand unter dem Vilicher Kanonikus Hundt (gestorben 1830). Die Steine holte man vom Turmhof in Meindorf, der damals niedergelegt wurde. In jener Zeit wurden auch Sankt-Anna-Reliquien beschafft. Das Dorf zählte in dieser Zeit nur 24 Häuser, es vergrößerte sich erst wesentlich seit dem Aufkommen der Steinindustrie (1889). Am 14. Juni 1805 verlieh Papst Pius VII. der Kapelle einen Ablaß für die Sankt-Anna-Oktav. Damit hatte die kirchlichen Rechte der Kapelle ganz klein begonnen. Am 14. Juli 1811 gestattete Generalvikar Hermann Joseph von Caspars, der zu dieser Zeit den rechtrheinischen Teil des Erzbistums Köln verwaltete - linksrheinisch war nach der Besetzung des Rheinlandes durch die Franzosen das Erzbistum Köln aufgehoben und durch ein nach französischem Recht eingerichtetes Bistum mit Sitz in Aachen gegründet worden - die Feier der Sonntagsmesse an allen Sonn- und Festtagen mit Ausnahme von Ostern. Im gleichen Jahr wurde Kanonikus Hundt, der seit 1804 den Gottesdienst in Hangelar versah, wegen Altersschwäche von seinem Amt entbunden. Bis dahin gab es in Hangelar noch keine Schule; erst im Jahre 1811 wurde die erste Schule von dem Maire (französischer Titel des Bürgermeisters oder Ortsvorstehers) Heinrich Joseph Kügelgen (1810-1819) ins Leben gerufen. Die Zahl der Schüler betrug etwa 20. Der Unterricht wurde nur im Winter erteilt. 1847 trat Lehrer Anton Groß sein Amt an. Nach wechselvollen Jahren in der Kirchengeschichte wurde der Wunsch nach einem größeren Gotteshause wach; jedoch ließen die Fragen des Kirchengrundstücks und der Finanzierung eines Neubaus den Plan im Sande verlaufen. Nachdem nun die Gemeinde 1885 bereits 645 Einwohner zählte, war die Frage einer Erweiterung oder eines Neubaus nicht mehr zu umgehen. 1892 wurde geplant, eine neue Kirche zu bauen. Da das Kapellengrundstück zu klein war, wurden Verhandlungen geführt, ein Gemeindegrundstück zu erwerben, das hinter Schule und Schulhof gelegen war.
Im Jahre 1897 erfolgte der Beschluß des Kirchenvorstands von Vilich, in Hangelar eine neue Kirche zu bauen. Hauptlehrer Kurth zog mit einer Zeichnungsliste von Haus zu Haus und sammelte freiwillige Beiträge in Höhe von über 10.000 Mark (Nach heutiger Kaufkraft wären das dann rund 80.000 Euro!). Der Grundstein, aus den Katakomben Roms besorgt, wurde am 31. Juli 1898 gelegt. Am 23. März 1899 wurde Hangelar selbständige Kapellengemeinde mit eigener Vermögensverwaltung. Die neue Kirche - im neugotischen Stil erbaut - wurde am 31. Juli 1899 durch Dechant Theodor Samans benediziert. Ihr erster Pfarrer wurde Dr. Franz Jacobi, der seinen Dienst am 15. Dezember 1911 begann.
Nach ihm übernahm Peter Krichel am 30. Mai 1948 das Amt des Pfarrers. Da die Kirchengemeinde in Hangelar nach dem Zweiten Weltkrieg ständig gewachsen war und um 1960 bereits um die 3.000 Seelen zählte, beschloß der Kirchenvorstand am 13. Mai 1962, die alte Kirche vollständig abzubrechen und eine neue zu bauen. Aus der alten Kirche wurden nur wenige schützenswerte Ausstattungsgegenstände in das neue Gotteshaus übernommen, die jedoch zwischenzeitlich unter Denkmalschutz gestellt wurden. Das Kirchengrundstück liegt im Zentrum des historischen Ortes Hangelar. Am 13. Dezember 1970 erfolgte die Grundsteinlegung. Nach Beendigung der letzten Innenarbeiten fand am 30. November 1972 der Umzug in die neue Kirche statt; am 3. Dezember 1972 erfolgte ihre Benediktion durch den Leiter der Planungsabteilung im Erzbischöflichen Generalvikariat zu Köln, Prälat Joseph Kowalski.

Die Kirche erhielt drei Glocken auf die Namen St. Anna, Sankt Barbara und Sankt Peter. Am 27. Oktober 1973 konnte die neu gebaute Orgel feierlich eingeweiht werden. Wieder gut ein Jahr später erfolgte 13. Dezember 1974 erfolgte die feierliche Konsekration der Pfarrkirche durch den Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner.Als notwendige Ausstattung erhielt die Pfarrei auch ein Pfarrzentrum. Die Grundsteinlegung zum Bau erfolgte am 1. April 1979, die Einweihung am 2. März 1980. Am 19. April des gleichen Jahres nahm im Pfarrzentrum die Pfarrbücherei ihren Betrieb auf, nachdem ihre Einrichtung vollständig neu angeschafft worden war. Am 30. März 1948 wurde Peter Krichel als neuer Pfarrer eingeführt. Er mußte als Untermieter im pfarreigenen Haus in der Gartenstraße 2 einziehen. Hier standen ihm nur zwei Zimmer auf zwei Etagen zur Verfügung. Josef Kardinal Frings, der zur gleichen Zeit die Pfarrei visitierte, bat wegen dieser Umstände den Kirchenvorstand, für den Pfarrer eine würdige Wohnung zu erstellen. 1950 konnte das wieder aufgebaute Pfarrhaus in der Franz-Jacobi-Straße bezogen werden.

Zur Ausstattung vieler Pfarreien gehört ein Kindergarten, der von der jeweiligen Kirchengemeinde getragen und vom Generalvikariat und den kommunalen Behörden finanziell unterstützt wird. Viele Kindergärten wurden zunächst aber von Orden eingerichtet und geführt. Auch der Kindergarten St. Anna hat einen solchen Vorläufer in Ordensträgerschaft. 1946 erwarben die Schwestern des Klosters Marienau eine Holzbaracke vom Hangelarer Flugplatz und bauten ihn am Rande des damals großen Gartengeländes mit Zugang von der Friedhofstraße auf. Diese Baracke sollte als Kindergarten und gleichzeitig auch als Tagungsraum für die Pfarrjugend dienen. Doch konnte die Baracke der Nachkriegszeit konnte nur als Behelfskindergarten angesehen werden. Die Kirchengemeinde St. Anna unter Pfarrer Peter Krichel erwarb ein dem Kloster Marienau gegenüberliegendes Grundstück zum Bau eines neuen Kindergartens in der Erwartung, daß die Leitung des Pfarrkindergartens von einer Schwester übernommen würde. Die Grundsteinlegung in der Graf-Zeppelin-Straße Nr. 9 erfolgte 1964. Am 15. Dezember 1965 konnte Pfarrer Peter Krichel den neuen Kindergarten feierlich einweihen und seiner Bestimmung übergeben. Nach dem Weggang der Schwestern aus Hangelar im Jahre 1984 ging der Kindergarten in die Trägerschaft der Pfarrei über und erhielt eine weltliche Leitung, zudem führte steigende Bevölkerungsentwicklung zu der Notwendigkeit, einen dritten Gruppenraum anzubauen. Es gehörte zu den zahlreichen Verdiensten des in Hangelar unvergessenen Pfarrers Dr. Franz Jacobi, daß Schwestern aus dem Orden der Pallotinerinnen sich in Hangelar ansiedelten. Die Ordensgemeinschaft mit dem Mutterhaus in Limburg an der Lahn erwarb das ehemalige Pfarr-Rektorat in der Graf-Zeppelin-Straße Nr. 14 und errichtete dort das Kloster Marienau. Am 2. April 1917, mitten in der schweren Zeit des Ersten Weltkrieges, zogen die ersten drei Schwestern dort ein. Als erste Aufgabe übernahmen sie den Pflegedienst an den häuslich Kranken. Die Hilfen der ambulanten Krankenschwestern wurden über die Pfarrei St. Anna hinaus bis Siegburg, Niederpleis, Vilich-Müldorf und Holzlar beansprucht. Bis zur Anschaffung des ersten Fahrrads im Jahre 1944 mußten dazu alle Wege zu Fuß bewältigt werden! Seit 1966 verfügte die ambulante Krankenpflegestation über einen PKW. Die Schwestern trugen auch, solange das Kloster Marienau bestand, Sorge für Wäsche, Paramente und Blumenschmuck der Pfarrkirche. Seit dem Zweiten Weltkrieg versah eine Schwester auch den Küsterdienst. Die Kapelle des Klosters Marienau diente vorübergehend als Behelfskirche, nachdem im Herbst 1944 die Pfarrkirche durch Bomben schwer beschädigt worden war. Der ebenfalls ausgebombte Pfarrer Dr. Franz Jacobi erhielt Wohnung im Kloster Marienau. Er verlebte in diesem Hause die Jahre seines Alterns und starb dort im Januar 1952. An seinem Sterbebett standen sein Nachfolger Pfarrer Peter Krichel und sieben Schwestern des Klosters Marienau. 1984 erfolgte die Auflösung der Schwesternstation in Hangelar. Der Nachwuchs der Schwestern war zu gering geworden. Das Haus ging in den Besitz des Spiritanerordens über, der darin ein Studienhaus einrichtete.

(Quelle: Pfarrarchiv St. Anna Hangelar, Findbuch - erstellt von Philipp Faust)
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